Mentaler Weißraum
2010-06-13
Ich nehme mir frei von Nachrichten aus dem Internet. Möglichst kein Input mehr für einen Monat oder so. Ein Experiment.
Der Grund ist denkbar einfach: ich möchte endlich zu vielem von dem kommen, was ich sonst aufschiebe. Vor allem Bücher lesen. Bücher, die schon längst fällig sind, die ich vor Jahren gekauft und überflogen habe mit dem Gedanken "cool, bei Gelegenheit mal ganz lesen".
Seit nun mehr als anderthalb Monaten bin ich in Elternzeit. Eine Zeit, in der ich nicht auf dem neuesten Stand sein muss, was das Internet angeht. Ich werde mich vor keinem Kunden blamieren, dass ich den letzten Hicen Shice nicht kenne. Mein Alltag sah bis jetzt trotzdem so aus, dass ich die fünf Minuten, die mein Sohn mir zwischendurch gibt, im Netz bin und Twitter, Feeds & Co durchstöbere und lese. Das ist einfach erklärt: ich liebe das Netz, ich bin gern da. Am Ende des Tages aber bleibt oft ein etwas taubes Gefühl einer Leere, wieder etwas wesentliches nicht gemacht zu haben.
Ich habe noch 4 1/2 Monate Zeit das zu ändern. Und diese Gelegenheit wird so schnell nicht kommen. Ich nehme mir also frei vom Netz bis auf ein paar befreundete Blogs. Ich setze mich auf Input-Diät. Meine E-Mail checke ich nur noch einmal alle zwei Tage. Ich nehme ein Buch oder die Gitarre in die Hand, wenn sich eine kleine Pause ergibt. Ich lasse meinen Gedanken Freiraum. Mal sehen, was sich an Ideen hinter dem täglichen arbeitsalltäglichen Wahnsinn angestaut hat.
- Kein Twitter
- Kein Buzz
- Kein Readwriteweb
- Kein TPUTH
- Kein Rivva
- Kein Techmeme
- Kein Tech Crunch
- Kein Gizmodo
- Kein Netzwertig
- Kein Zeit Online
- Kein Spon
- usw.
Meine Gedanken niederschreiben werde ich aber weiterhin. Hier auf konnexus.net. Denn Schreiben hilft beim Denken. Es hilft Gedanken zu strukturieren und abzulegen, um wieder offen für neue zu sein. Ob ich oft bloggen werde, oder selten bis gar nicht, das wird sich zeigen.
Zusammengefasst aus meiner Sicht heißt das also:
- kein digitaler Input.
- aber Output - natürlich digital.
Das ist wie gesagt ein Experiment. Kann sein, dass nichts dabei rumkommt. Kann sein, dass ich mich einfach furchtbar langweilen werde und langsam fremd werde im Netz. Kann sein. Aber ich würde es immer bereuen, es nicht ausprobiert zu haben.
Kleine Korrektur:
"kein 'digitaler' Input" – denn wenn Bücherlesen kein Input ist, dann weiß ich's auch nicht.
Ansonsten: Yeah! Das wird spannend. Dein Vorhaben ist sowas wie unser Apollo Programm. Die Reise zum Mond. Und Du bist unser Neil Armstrong. Der erste Blogger auf dem Netz-Mond. Ich bin so aufgeregt und fiebere schon jetzt sehr mit Dir mit. Was wir wohl alle von Deiner Misson lernen können. Netz-Kosmonaut Konstantin!
Nebenbei: Für "Schreiben hilft beim Denken" gibt es ein sehr altes, sehr passendes Wort "Exzerpt" – das habe ich im Studium sehr intensiv gemacht und neben den Gesprächen im den Seminaren waren dies die echten Momente der Lernens.
:]