Mentaler Weißraum

 

Ich nehme mir frei von Nachrichten aus dem Internet. Möglichst kein Input mehr für einen Monat oder so. Ein Experiment.

Der Grund ist denkbar einfach: ich möchte endlich zu vielem von dem kommen, was ich sonst aufschiebe. Vor allem Bücher lesen. Bücher, die schon längst fällig sind, die ich vor Jahren gekauft und überflogen habe mit dem Gedanken "cool, bei Gelegenheit mal ganz lesen".

Seit nun mehr als anderthalb Monaten bin ich in Elternzeit. Eine Zeit, in der ich nicht auf dem neuesten Stand sein muss, was das Internet angeht. Ich werde mich vor keinem Kunden blamieren, dass ich den letzten Hicen Shice nicht kenne. Mein Alltag sah bis jetzt trotzdem so aus, dass ich die fünf Minuten, die mein Sohn mir zwischendurch gibt, im Netz bin und Twitter, Feeds & Co durchstöbere und lese. Das ist einfach erklärt: ich liebe das Netz, ich bin gern da. Am Ende des Tages aber bleibt oft ein etwas taubes Gefühl einer Leere, wieder etwas wesentliches nicht gemacht zu haben.

Ich habe noch 4 1/2 Monate Zeit das zu ändern. Und diese Gelegenheit wird so schnell nicht kommen. Ich nehme mir also frei vom Netz bis auf ein paar befreundete Blogs. Ich setze mich auf Input-Diät. Meine E-Mail checke ich nur noch einmal alle zwei Tage. Ich nehme ein Buch oder die Gitarre in die Hand, wenn sich eine kleine Pause ergibt. Ich lasse meinen Gedanken Freiraum. Mal sehen, was sich an Ideen hinter dem täglichen arbeitsalltäglichen Wahnsinn angestaut hat.

Meine Gedanken niederschreiben werde ich aber weiterhin. Hier auf konnexus.net. Denn Schreiben hilft beim Denken. Es hilft Gedanken zu strukturieren und abzulegen, um wieder offen für neue zu sein. Ob ich oft bloggen werde, oder selten bis gar nicht, das wird sich zeigen.

Zusammengefasst aus meiner Sicht heißt das also:

  • kein digitaler Input.
  • aber Output - natürlich digital.

Das ist wie gesagt ein Experiment. Kann sein, dass nichts dabei rumkommt. Kann sein, dass ich mich einfach furchtbar langweilen werde und langsam fremd werde im Netz. Kann sein. Aber ich würde es immer bereuen, es nicht ausprobiert zu haben.

Comments:

ben_ am 2010-06-13

Kleine Korrektur:

"kein 'digitaler' Input" – denn wenn Bücherlesen kein Input ist, dann weiß ich's auch nicht.

Ansonsten: Yeah! Das wird spannend. Dein Vorhaben ist sowas wie unser Apollo Programm. Die Reise zum Mond. Und Du bist unser Neil Armstrong. Der erste Blogger auf dem Netz-Mond. Ich bin so aufgeregt und fiebere schon jetzt sehr mit Dir mit. Was wir wohl alle von Deiner Misson lernen können. Netz-Kosmonaut Konstantin!

Nebenbei: Für "Schreiben hilft beim Denken" gibt es ein sehr altes, sehr passendes Wort "Exzerpt" – das habe ich im Studium sehr intensiv gemacht und neben den Gesprächen im den Seminaren waren dies die echten Momente der Lernens.
:]


Konstantin am 2010-06-13

@Ben_: Richtig, richtig! Viel Input, der da durch die Bücher kommt!


Konstantin am 2010-06-13

Ja, dass ich hinter dem Mond sein werde, ist allerdings richtig. Und Ihr werdet mir da helfen müssen, wenn ich was nicht weiß. Seid also geduldig mit mir :-)


ben_ am 2010-06-13

Selbstverständlich … Houston ist immer hier.


Anonymous am 2010-06-13

Großartig und sehr inspirierend. Ich abonniere mal fix Deinen Feed.


Dominik am 2010-06-13

So ein Unsinn der war doch gar nie weg! Da, der Schatten von seinem Feedreader fällt in die völlig falsche Richtung. Ausserdem ist so ein altes, weißes Macbook technologisch gar noch nicht in der Lage nicht im Netz zu sein. Und wie bitte soll denn in der Schwerelosigkeit dieses Kommentarfeld so pixelexakt links ausgerichtet sein?


Konstantin am 2010-06-13

So schön die Apollo-Metapher ist, wir haben jeder unsere eigene "Dark Side of the Moon". Was ich entdecken werde, sind die Leichen in meinem Keller. Euer Keller sieht wieder anders aus. Wir werden also alle, einer nach dem anderen, hinter den Mond fliegen müssen.


Sebastian am 2010-06-14

Ich bin sehr gespannt ob es Dir hilft oder ob Dir eher bald was fehlt. Ich selbst fange oft an Online zu lesen bzw. einfach zu surfen um mich vor anderen Dingen zu drücken. Also eher aus Faulheit oder Einfallslosigkeit.
Die Tage habe ich dann aber doch mal gelesen (Rework) und mir fest vorgenommen, das ab sofort öfter zu tun. Allerdings eher Fachbücher, thematisch irgendwie zum Job passend und auch mal öfter BrandEins u. ä. als Ersatz der sonstigen Onlinequellen mit höherem Niveau - und wohl eher keine Romane etc. Das wäre dann doch zu weit ab des Weges ...


ben_ am 2010-06-15

@Dominik: Das ist der lustigste Kommentar seit … immer!


Konstantin am 2010-06-15

@Dominik: Wo ben_ recht hat, hat er recht! Beim ersten Lesen hab ich erst nur Bahnhof kapiert. Dabei bilde ich mir ein, was von Humor zu verstehen. Als Antwort fiel mir ein, dass man gar kein Blog braucht, um hinter dem digitalen Mond zu sein. Aber das ist Haarspalterei.


Konstantin am 2010-06-15

@Sebastian: Ich lese auch tatsächlich fast nur Fachbücher gerade. D.h. ein Buch (weil: eins nach dem anderen). Die Nachrichtenabszinenz soll ja dazu dienen, endlich mal Zeit für Grundlagenwissen meines Faches zu vervollständigen.

Gerade ist "Cluetrain Manifesto" dran. Das Buch ist ja schon uralt, und ich habe es vor Jahren überflogen, dann noch mal überflogen. Jetzt aber will ich es vom Buchdeckel zum Buchdeckel durch haben. Da ist vielleicht mehr sportlicher Ehrgeiz dabei, als Notwendigkeit. Die Jungs waren damals visionär und haben das vorausgesagt, was wir später Web 2.0 und Social Media benannten. Mich wundert trotzdem, wie aktuell das Buch ist.


Arne am 2010-06-15

Klingt nach 'nem sehr sehr coolen Plan.

Ich merk in letzter Zeit auch, dass mich digitales so derbe annervt, dass vielleicht eine ähnliche Auszeit mal gar nicht so verkehrt wäre.

Hau rein - und berichte :)


Tamim Swaid am 2010-07-17


Konstantin am 2010-07-17

Ha! Früher Trendforscher, jetzt Trendsetter. Obwohl - Trendsetter ist man, wenn man 2 Jahre vor dem Spiegelbericht ist. Und noch was: sind die denn auch alle in Elternzeit?


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Blogging

das schreiben ins netz, meist von einer privatperson. die artikel sind zeitlich orientiert und meist an aktuelle ereignisse geknüpft. ich blogge höchst unregelmäßig in schüben von ein paar monaten, angefangen in 2001.

Mentaler Weißraum

Ein Experiment, bei dem ich den Input an Nachrichten aus dem Netz radikal kürze.

thinking

ich muss mich manchmal hüten, nicht zu denken, dass das denken genzenlose möglichkeiten hat.

 

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