visuelles kochbuch

 

Kochen

Ich übe mich langsam und unstetig in dieser Disziplin. Etwas Schwierigkeiten habe ich mit dem Timing, dem ich durch sorgfältige Vorbereitung entgegentrete.

meine kochkünste waren immer die eines dilettanten. außer meiner frühen einstellung, gerne die künste anderer zu genießen, hängt das vor allem mit zwei faktoren zusammen:

  1. ich war in punkto timing lange zeit recht chaotisch
  2. die rezepte waren alle geschrieben, nicht verbildlicht.

auf der suche nach visuellem

erst in den letzten paar monaten ist mit bewusst geworden, dass gerade der zweite faktor der schlüssel für den ersten ist. ich brauche ein visuelles kochbuch.

Flussdiagramm

Fin Flow Chart, oder Flussdiagramm zu deutsch, erklärt Prozesse/Abläufe. Hauptsächlich besteht es aus Akteuren, Handlungen und Entscheidungen. Eins der Grundpfeiler für Informationsarchitektur und Interkationsdesign.

die sache ist nämlich die: jedes rezept ist im grunde ein mehr oder weniger simpler ablauf. die reihenfolge spielt eine rolle, die zeiten, wann was gemacht wird. festgehalten sind die rezepte aber immer in prosa. warum nicht in einem ablauf-diagramm? das ist fast so, als ob man versuchen würde, musik in kurzgeschichten zu notieren.

ich als vorrangig visuell denkender mensch mache mir also jedes mal die mühe, im kopf den rezept-text in ein bild zu dechiffrieren, nach dem ich dann koche. ich habe mir irgendwann angewöhnt, zuerst alles zu schnippeln, bevor ich überhaupt den herd anmache, damit ich hinterher nicht hektisch noch x hacken muss, während mir y schon anbrennt. das führt dazu, dass ich bei so manchem rezept nachher denke: das hättest du locker erst schneiden können, während das fleisch brutzelt, und 20 min. gespart.

laut dem internet-gesetzt "du bist nie allein" musste es mehr visuelle menschen mit dem selben problem geben. einiger recherche im netz und bei freunden stellte ich aber fest: so ein visuelles kochbuch kennt keiner. ich mache also mein visuelles kochbuch also selbst.

der plan eines visuellen rezeptes

eine grobe vorstellung habe ich schon, wie jedes Rezept aussehen soll:

zutaten einfach horizontal aufgereiht, einfach zum einkaufen und aufstellen, bevor das kochen anfängt. vielleicht ein farbcode für gruppen wie gemüse (grün), gewürte (orange), fleisch (rot).

zeitleiste von oben nach unten laufend. die zeit ist natürlich nie genau, aber als orientierung für mich sehr praktisch. hier kann ich auch erkennen, woran ich parallel denken muss (z.b. reis aufsetzen).

fluss-linien für zutaten jede zutat bekommt eine linie. so kann ich verfolgen, was mit der zutat während des kochens passiert. z.b. kann ich dann sehen, welche zutaten gleichzeitig in die pfanne kommen.

aufgaben zu erledigen durch einen schraffierten balken dargestellt. von oben nach unten kann ich dann die sachen abarbeiten. was zu tun ist, ist dran geschrieben. vielleicht kommen verschiedene arten von schraffuren, aber vielleicht ist es auch unwichtig.

koch-gefäße pfanne, topf, ofen - jedes gefäß bekommt eine struktur. am anfang ist in der pfanne vielleicht noch nicht so viel drin, dann kommt immer mehr rein. so wird der struktur-hintergrund breiter. am rand steht immer, was man am gefäß machen muss und was "meilensteine" sind (z.b. "zwiebeln weich" oder "kocht").

hitze-stufen die herdplatten bei mir haben 6 hitzestufen. diese werden als ein sechseck angezeigt. je voller, desto mehr hitze. zusätzlich läuft links von jedem koch-gefäß ein roter streifen. ist er durchgängig, ist es die höchste hitzestufe. bei strichelung: je kleiner die lücken, desto mehr hitze.

beispiel: hühner-curry

hier ist ein "prototyp" eines meiner lieblings-rezepte. es ist grünes hühnercurry aus thailand. das original-rezept habe ich vor jahren das erste mal gekocht. jetzt erst sah ich, dass ich es um einiges schneller kochen konnte.

was haltet ihr davon?

übrigens bin ich auf der suche nach interessanten rezepten! von ben_ habe ich schon ein spannendes sushi-rezept. schreibt mir die rezepte einfach in die kommentare oder schickt sie mir per email.

Comments:

zagy am 2010-01-30

Hängt alles davon ab, welchen Kenntnisstand man hat. Für Leute die nicht kochen können vielleicht.

Mit der Zeit werden die Rezepte, die man kocht, oder sich selbst aufschreibt, immer kompakter. Man weiß einfach wie gewisse Dinge gemacht werden und komprimiert dann. Etwa „Zucker karamelisieren“ statt „Zucker in einem flachen Topf … yadayada*yada“.

Schon mal einen Blick in die Basic-Reihe von GU geworfen?


ben_ am 2010-01-30

Du bist total verrückt Konstantin. Aber ich glaube Kochbücher sind die Tierfilme der Verlagswelt: Die gehen immer.


Konstantin am 2010-01-30

@zagy:
ja, hast absolut recht. das hat mir auch bis jetzt jeder gesagt, der schon was länger kocht. ich hab das unter "makros" abgespeichert.
für mich ist an der zeitleiste u.a. wichtig, dass ich sehe, wann ich den reis aufstellen muss, während ich das hühnchen mache. das vermassle ich immer wieder. daher sind makros gut - aber müssen für mich (noch) genauso auf die zeitleiste.
basic-reihe von gu: hab reingeschaut. das bis jetzt beste, das ich kenne, ist allerdings das kochbuch mit dem roten löffel. dort sind alle basis-"techniken" sehr gut in abläufen und fotos erklärt. trotzdem keine flussdiagramme bei rezepten.

@ben_:
ja, das dachte ich auch! deshalb ging ich auch davon aus, dass es auch ein entsprechendes buch für mich gibt. pustekuchen.


chrismue am 2010-01-30

Sehr spannende Geschichte, besonders aus der Perspektive, dass ich mit dem Gedanken spiele das Thema Kochen zumindestens in kleinen Häppchen auch bei mir im Blog anzubieten. Reine praktische Frage, wie setzt du diese Maps um? Templates in Illustrator?


Konstantin am 2010-01-31

@chrismue: bin gespannt, was du da machen wirst!
zur praktischen frage: ja, illustrator. könnte wahrscheinlich man auch mit omnigraffle machen o.ä., aber da ich in meinem früheren leben grafikdesigner war, kenn ich das programm wie meine eigene westentasche.


nexapher am 2010-02-02

Der Ansatz gefällt mir sehr gut und ich bin davon überzeugt, dass man diese Aufbereitung prima bei der Systemgastronomie an den Mann bringen kann.

Einzige Probleme hierbei sind für mich:
1. Zeitangaben sind beim Kochen immer so eine Sache, denn je nach Größe der Fleischstücke bzw des Gemüses und auch der Temperatur (direkt aus dem Kühlschrank, oder vorher tiefgefroren, direkt aus der Gemüsetheke in die Küche und verarbeitet) variiert die Garzeit oder die benötigte Hitze.

2. Die Genauigkeit der Angaben hängt von dem Herd (nicht nur davon ob Gas, Ceran, Induktion oder Heizspirale als Hitzequelle genutzt wird) ab. Man könnte sagen jeder Herd hat ein gewisses Eigenleben.

3. Die Komplexität des Gerichtes ist in diesem Fall sicher mit gering zu kategorisieren. Wenn du damit aufwendige Schmorgerichte, oder eines, dass aus vielen Zutaten mit verschiedenen Garzeiten besteht, visualisierst, dann fürchte ich stößt man an die Grenzen des Begreifbaren.

4. Kochen hat im Idealfall etwas mit Intuition zu tun, auch wenn es der Systemgastronomie teilweise sehr gut gelingt die Kochkunst einzuzäunen, gibt es immer Vorkommnisse auf die deine Visualisierung nicht vorbereitet ist - es sei denn du würdest einzelne Diagramme miteinander verlinken.
4a) Zum Beispiel beim Spargelkochen und der dazugehörigen Sauce Hollandaise. Im Basisrezept würde gezeigt werden wann was wie gekocht wird. Verlinkt wären dann etwaige Variationen und Rettungsanleitungen für die Soße (was tun wenn sie abgeht, was tun wenn sie kalt wurde...)

Das als erster Input. Wie gesagt eine genialer Prototyp und für jeden Leien verständlich. Ich hoffe ich binmit meinen Anmerkungen nicht über das Ziel hinaus.

Weitermachen, denn den Ansatz kann man super verwerten, dazu gerne mehr bei einem Gespräch auf den Gang!
M a.k.a. nexapher


Konstantin am 2010-02-02

@nexapher: ich gebe dir in allen punkten natürlich recht. diese variablen (z.b. herd) werde ich erstmal ganz egoistisch auf meine bedürfnisse abstimmen.

deine idee mit den verfeinerungen und verlinkungen gefällt mir! ich mach erstmal noch ein paar rezepte "einfacher schwierigkeitsstufe", dann ein paar komplexe. mal sehen, wann ich auf visualisierungs-probleme stoße. und dann die verknüpfungen. ich sag nur - iteratives vorgehen :-)


nexapher am 2010-02-02

Ich bin mehr als nur gespannt - wie ein Langbogen sozusagen.

Einfache Rezepte und Kochtechniken miteinander verlinken, um daraus die komplexeren Modelle zu entwickeln - mit der Zeit ein riesiges Flussdiagramm, dass man auch zum Kochen von ganzen Menüs verwenden kann. Da wird mir warm ums Herz :)

Ich erinnere mich da an meine BA, die sich um eine multimediale Kochschule drehte, dort wurde dieses Vorgehen auch angewandt.

Da geht einiges!


Konstantin am 2010-02-02

was übrigens lustig ist: meine kollegen (d'artagnan und portos z.b.) beömmeln sich gerade, weil man offensichtlich ein profi saucier sein muss, um den ansatz gut zu finden - und mein anspruch war ja, rezepte für anfänger aufzubereiten :-)


nexapher am 2010-02-02

Ich kann mich nur wiederholen und schreiben:
Man muss sich zwar rein denken, aber wer das Prinzip und die verwendeten Elemente verstanden hat, der kann sich mit einem solchen Plan mit einem Blick über die nächsten Arbeitsschritte informieren.


VeVia am 2010-02-03

Ich komme ja besser mit Bildern klar, finde die "essen & trinken"-Kochbücher bzw. das Jamie Oliver Kochschule Buch deswegen auch ganz gut.

Wenn du Zeitabläufe haben willst, kann ich dir das hier mal zukommen lassen: http://www.amazon.de/gp/product/3486887424/ref=cmrdpproduct_img Da gibt es für jedes Rezept einen Arbeitsplan, wie er auch auf dem Cover zu sehen ist. Auf den ersten Seiten gibt es natürlich auch ein seeehr umfangreiches Erklärungskapitel. Ich nehme das Buch immer als Anleitung für Zubereitungsarten in die Hand. :-)


Konstantin am 2010-02-03

@VeVia, der arbeitsplan sieht tatsächlich sehr brauchbar aus (soweit ich auf 100x30 pixeln erkennen kann)! gib das mal deinem bruder mit, ich würde mir das gern angucken und dann ggf. kaufen. wie gesagt: ich wollte das visuelle kochbuch eigentlich nicht machen, sondern einfach kaufen :-)


Anonymous am 2010-02-03

super idee!


Comment form here

Topics:

Kochbuch

Gesammelte rezepte.

Kochen

Ich übe mich langsam und unstetig in dieser Disziplin. Etwas Schwierigkeiten habe ich mit dem Timing, dem ich durch sorgfältige Vorbereitung entgegentrete.

Flussdiagramm

Fin Flow Chart, oder Flussdiagramm zu deutsch, erklärt Prozesse/Abläufe. Hauptsächlich besteht es aus Akteuren, Handlungen und Entscheidungen. Eins der Grundpfeiler für Informationsarchitektur und Interkationsdesign.

 
Visuelles Kochbuch

Kochen nach Ablauf-Diagrammen sollte für visuelle Menschen das Kochen vereinfachen. Das ist die Grundidee.

visualization

ich liebe visualisierungen, denn: ich weiss nicht, was ich denke, bevor ich sehe, was ich zeichne. oder auch was andere zeichnen. Albert Einstein sagte was passendes "if i can't picture it, i can't understand it".

Tags: