visuelles kochbuch
2010-01-29
meine kochkünste waren immer die eines dilettanten. außer meiner frühen einstellung, gerne die künste anderer zu genießen, hängt das vor allem mit zwei faktoren zusammen:
- ich war in punkto timing lange zeit recht chaotisch
- die rezepte waren alle geschrieben, nicht verbildlicht.
auf der suche nach visuellem
erst in den letzten paar monaten ist mit bewusst geworden, dass gerade der zweite faktor der schlüssel für den ersten ist. ich brauche ein visuelles kochbuch.
die sache ist nämlich die: jedes rezept ist im grunde ein mehr oder weniger simpler ablauf. die reihenfolge spielt eine rolle, die zeiten, wann was gemacht wird. festgehalten sind die rezepte aber immer in prosa. warum nicht in einem ablauf-diagramm? das ist fast so, als ob man versuchen würde, musik in kurzgeschichten zu notieren.
ich als vorrangig visuell denkender mensch mache mir also jedes mal die mühe, im kopf den rezept-text in ein bild zu dechiffrieren, nach dem ich dann koche. ich habe mir irgendwann angewöhnt, zuerst alles zu schnippeln, bevor ich überhaupt den herd anmache, damit ich hinterher nicht hektisch noch x hacken muss, während mir y schon anbrennt. das führt dazu, dass ich bei so manchem rezept nachher denke: das hättest du locker erst schneiden können, während das fleisch brutzelt, und 20 min. gespart.
laut dem internet-gesetzt "du bist nie allein" musste es mehr visuelle menschen mit dem selben problem geben. einiger recherche im netz und bei freunden stellte ich aber fest: so ein visuelles kochbuch kennt keiner. ich mache also mein visuelles kochbuch also selbst.
der plan eines visuellen rezeptes
eine grobe vorstellung habe ich schon, wie jedes Rezept aussehen soll:
zutaten
einfach horizontal aufgereiht, einfach zum einkaufen und aufstellen, bevor das kochen anfängt. vielleicht ein farbcode für gruppen wie gemüse (grün), gewürte (orange), fleisch (rot).
zeitleiste
von oben nach unten laufend. die zeit ist natürlich nie genau, aber als orientierung für mich sehr praktisch. hier kann ich auch erkennen, woran ich parallel denken muss (z.b. reis aufsetzen).
fluss-linien für zutaten
jede zutat bekommt eine linie. so kann ich verfolgen, was mit der zutat während des kochens passiert. z.b. kann ich dann sehen, welche zutaten gleichzeitig in die pfanne kommen.
aufgaben zu erledigen
durch einen schraffierten balken dargestellt. von oben nach unten kann ich dann die sachen abarbeiten. was zu tun ist, ist dran geschrieben. vielleicht kommen verschiedene arten von schraffuren, aber vielleicht ist es auch unwichtig.
koch-gefäße
pfanne, topf, ofen - jedes gefäß bekommt eine struktur. am anfang ist in der pfanne vielleicht noch nicht so viel drin, dann kommt immer mehr rein. so wird der struktur-hintergrund breiter. am rand steht immer, was man am gefäß machen muss und was "meilensteine" sind (z.b. "zwiebeln weich" oder "kocht").
hitze-stufen
die herdplatten bei mir haben 6 hitzestufen. diese werden als ein sechseck angezeigt. je voller, desto mehr hitze. zusätzlich läuft links von jedem koch-gefäß ein roter streifen. ist er durchgängig, ist es die höchste hitzestufe. bei strichelung: je kleiner die lücken, desto mehr hitze.
beispiel: hühner-curry
hier ist ein "prototyp" eines meiner lieblings-rezepte. es ist grünes hühnercurry aus thailand. das original-rezept habe ich vor jahren das erste mal gekocht. jetzt erst sah ich, dass ich es um einiges schneller kochen konnte.

was haltet ihr davon?
übrigens bin ich auf der suche nach interessanten rezepten! von ben_ habe ich schon ein spannendes sushi-rezept. schreibt mir die rezepte einfach in die kommentare oder schickt sie mir per email.
Hängt alles davon ab, welchen Kenntnisstand man hat. Für Leute die nicht kochen können vielleicht.
Mit der Zeit werden die Rezepte, die man kocht, oder sich selbst aufschreibt, immer kompakter. Man weiß einfach wie gewisse Dinge gemacht werden und komprimiert dann. Etwa „Zucker karamelisieren“ statt „Zucker in einem flachen Topf … yadayada*yada“.
Schon mal einen Blick in die Basic-Reihe von GU geworfen?