im reich des textes

 

als visuell denkender mensch muss ich feststellen, dass ich im rech des textes lebe und arbeite.

die domänen des texts

I. die oberfläche des web wie iA richtig bemerkt: das web ist text. 95% des webs ist inhaltlich text. im ähnlichen verhältnis wird es bleiben. google ist text. nachrichten sind text. rss-feeds sind text. twitter ist text. produktrezensionen sind text. email ist text. youtube oder the foto-blogs (big picture) oder grafik-sammlungen (ffffound) und individuell gestaltete artikel (unique) sind marginalien.

II. die logik des web die dadrunter liegende, programmatische ebene ist text. wie ben auf den punkt bringt: »wir schreiben maschinen«. die manifestationen des entwickler-willens sind sprachen.

III. die konzepte des web tim berners lee hat das web be-schrieben, genauso wie vannevar bush das netz be-schrieben hat. meine konzepte sind sehr häufig text, insbesondere grobkonzepte. es gilt das geschriebene wort. beim feinkonzept kann dich keiner verklagen, wenn im wireframe ein kästchen weiter über- oder unter einem anderen steht. aber die annotationen müssen stimmen.

IV. die projektierung des web das web wird im wort organisiert. projektmanagement manifestiert sich in angeboten, workshop-protokollen, todo-listen, emails, berichten, zeiterfassung, rechnungen. ausnahmen sind der projektplan und die ampel des management summary.

V. die freizeit: das semantische bloggen last but not least: dieses blog ist auch vorrangig text. die meisten artikel enthalten kaum bilder.

die visuellen interventionen

ein meister darin, in einer präsentation eine geschichte mit hilfe von bildern zu erzählen: steve jobs. selbst text wird zu bild.
Präsentation

Oft mishandelt, hat die Präsentation großes Potential. Denn sie ist Zeit-basiert, und man hat volle Aufmerksamkeit: Perfekt für Geschichtenerzählungen.

1. strategische ebene: präsentation eine präsentation kann eine wunderbare möglichkeit sein, mit bildern zu sprechen. durch den zeitlichen ablauf lässt sich eine geschichte anhand von bildern aufbauen. diese art von präsentation ist zwar in der it-welt selten, aber möglich.

Diagram

Verhältnisse und Handlungsspielräume können aus einem Diagramm effektiv abgeleitet werden, wenn es gut gemacht ist.

2. strategische ebene: koordinaten-diagramm in einem diagramm wird bildhaft dargestellt, was in 1000 wörtern vergraben sein kann: verhältnisse und handlungs-spielraum. es wird nur selten eingesetzt, da es wenige gibt, die die kunst des diagramms beherrschen.

Flussdiagramm

Fin Flow Chart, oder Flussdiagramm zu deutsch, erklärt Prozesse/Abläufe. Hauptsächlich besteht es aus Akteuren, Handlungen und Entscheidungen. Eins der Grundpfeiler für Informationsarchitektur und Interkationsdesign.

3. programmatische ebene: flussdiagramme mit flussdiagrammen kann ich darstellen, was später reiner text ist: programm-abläufe. das geht zwar nur bis zu einer bestimmten detailebene gut, aber die abstraktion gibt auch eine übersicht.

wireframes

ein wireframe, also "drahtgerüst", ist ein platzhalter für etwas, was erst mit design und inhalt und funktionalität gefüllt wird. wireframes sind die karten eines informationsarchitekten.

4. user interface ebene: wireframes diese kästchen und linien beschreiben ein schema einer seite oder eines elementes im web. sie sind tatsächlich visueller natur. sie sind nicht verbindlich in ihren visuellen details, aber auch da gilt: abstraktion gibt die sicht auf's wesentliche.

Typographie

Die Lehre von der Schrift. Sehr mächtig, denn sie bringt Ordnung ins Chaos und Usability ins Lesen.

5. oberflächen-ebene: typografie diese brücke habe ich vor jahren erlernt. typografie ist der ausdruck visueller ordnung für text und deshalb visueller denkweise. es ist die unternehmung, dem textlichen inhalt eine visuelle entsprechung, also form zu geben.

text wird weiter dominieren

meme tracker wie rivva sammeln und sortieren den strom an nachrichten wie retweets. all das ist und bleibt: text.

wie ich die lage einschätze wird es die nächsten jahre so bleiben. wir werden vielleicht tools entwickeln, die z.b. im bereich statistik- und web-analyse-informationen vor allem mit hilfe von visualisierungen transportiert. als fazit für mich muss ich sagen: text in bilder zu übersetzen - und umgekehrt - fällt mir immer leichter. daher bin ich zwar kein native speaker, aber wie es auch mit meinem deutsch ist, durch aus der sprache(n) mächtig.

Comments:

Martin am 2010-02-01

Mir fällt immer wieder auf, dass ich mich auch hier mal wieder zwischen den Welten bewege. Ich bin zwar ein visueller Mensch, möchte diese visuellen Dinge aber lieber durch Text beschreiben (oder besser Eigenschaften wie Koordinaten, Ausdehnung, Farbe am liebsten Hexadezimal in RGB - aber zur Not rechne ich's dir auch von Hand in 'nen anderen Farbraum um). Ich mag bei Zeichenprogrammen immer die Eigenschaftsfenster.

Aber die Übersetzungen zwischen den Sprachen fallen mir auch immer leichter.

Merci für den schönen Artikel.


Konstantin am 2010-02-02

ja, die eigenschaften. ich bin irgendwann auch dazu gekommen sie zu schätzen. aber ich glaube der grund liegt nicht in meinem perfektionismus. es ist eher eine beschränktheit der computer-programme. alles, was du mit computer machst, suggeriert den anspruch auf perfekte darstellung. also gibt es nur 1 oder 0: entweder absolut perfekt dargestellt, oder eben absolut unfertig dargestellt.

beim zeichnen auf papier dagegen entfällt dieser perfektionismus, und plötzlich kommt wieder das treben nach wesentlichem in den vordergrund. daher bin ich ja auch gespannt auf sketch-eigenschaften des ipads.


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Topics:

concept design

ein anderes wort für konzeption. das ausdenken, planen und strukturieren von websites, webapplikationen und ähnlichem. konzepte machen und dafür sorgen, dass sie auch richtig umgesetzt werden.

Steve Jobs

mitbegründer und ceo der apple inc. ein visionär, motivator und verfechter der user experience. außerdem ein rigider diktator in seinem unternehmen.

Tim Berners Lee

der erfinder des world wide web beweist nicht nur weitsicht, sondern auch zurückhaltung, was ihn für mich äußerst sympathisch macht.

 
User Experience Design

Design of user experience is a big part of my job. Question is: where does user experience design stop and experience design start?

Vannevar Bush

dieser mensch hat doch tatsächlich das internet in seiner natur vorausgesagt, als es noch keine hardware dafür gab.

visualization

ich liebe visualisierungen, denn: ich weiss nicht, was ich denke, bevor ich sehe, was ich zeichne. oder auch was andere zeichnen. Albert Einstein sagte was passendes "if i can't picture it, i can't understand it".

 
visual thinking

als visueller mensch denke ich in bildern. durch visualisierungen, schemata, skizzen, diagramme erklöre ich mir und anderen die welt. welche restriktionen das wohl hat?

web

das netz ist eines der phenomäne, die mein leben so spannend machen. es verändert mein denken. und es verändert mein handeln.

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