Blendende Schönheit
2010-06-25
Manche Menschen sind äußerlich so schön, dass mich ihre Schönheit blendet. In mir steigt dann unweigerlich das Verlangen hoch, in ihnen Hässlichkeit zu sehen. Es ist der Protest gegen die Perfektion. Also fange ich an nach der Hässlichkeit zu suchen, und wenn ich schließlich fündig geworden bin, fühle ich mich bestätigt und enttäuscht zugleich.
Ich erwische mich dabei, diese halbwillentliche Degradierung vornehmen zu wollen, und schäme mich. Dass ich Vorurteilen den Nährboden bereite, dass ich andere klein machen will, nur weil ich mich unperfekt fühle. Wegen des Zurechtstutzens auf das Mittelmaß. Weil ich die Schönheit nicht als das annehmen kann, was sie meist ist: ein Geschenk der Natur an uns. Ein Geschenk, dessen Anmut wir in Demut genießen können.
Das alles aber geschieht in den allermeisten Fällen ohne dass die Person es mitbekommt, denn vor allem sorgt die Schönheit bei mir für eins: Distanz.