Living on an iPad

 

Vor einer Weile meinte @S "Einen zweiten Rechner brauchen wir eigentlich nicht. Dafür ist ein iPad völlig ausreichend." Wie recht sie hatte. Seit einer Woche ist das Konsandria iPad da. Ich muss sagen, ich bin bis jetzt rundum zufrieden. Das Ding macht genau das, was es soll. Hier ein erster Eindruck.

Was cool ist:

  • Es ist geräuschlos. Es gibt leise Rechner und laute, aber ich hatte noch keinen, der absolut still ist. So stelle ich mir einen Rechner vor, auf dem man seinen Gedanken zuhört und sie niederschreibt.
  • Der Akku hält ewig. So stelle ich mir einen Rechner vor, den man mit sich rum schleppt.
  • Es ist leicht genug. Unser MacBook ist dagegen ein Nilpferd
  • Es ist schnell. Die Programme starten schnell, es reagiert ohne Verzögerungen. So muss es sein, um nicht aus den Gedanken rausgerissen zu werden.
  • Es hat kein Dateisystem. Wunderbar, ein Gerät weniger, auf dem ich Dateien aufräumen muss.
  • Es ist sofort einsatzbereit. Dadurch wird das Ding 300% häufiger (sinnvoll) benutzt und es qualifiziert sich dafür, auch mal eben schnell eine Notiz zu machen, statt doch das Papier zu nehmen

Was nervt:

  • Es hat kein Multitasking. Text zu schreiben und im Netz was nachzugucken ist etwas umständlich, obwohl die Apps sehr schnell auf- und zugehen. Multitasking des Rechners heißt nicht, dass ich als Mensch Multitasking mache. Ich kann durchaus mehrere Programme brauchen, um nur eine Aufgabe zu erledigen. Bei Menschen also eher unproduktiv, ist Multitasking für Rechner durchaus sinnvoll.
  • Die Fotoalben lassen sich auf dem iPad nicht verwalten. Obwohl ich sonst die reduzierten Funktionen sehr schätze, fühle ich mich hierbei verkrüppelt.
  • Mit der Touch-Tastatur komme ich bei langen Texten (noch) nicht klar. Aber dafür gibt's ja die schnurlose Tastatur dazu, auch wenn man dann zwei Teile (iPad+Tastatur) unterwegs hat.
  • Die Programme oder das Betriebssystem haben noch Kinderkrankheiten. Eine A4-Seite Text zu schreiben und dann durch's Abschmieren des Programms zu verlieren ist uncool.

Bis auf die Tastatur lassen sich die Sachen durch Software-Updates ausbügeln.

Wofür ich das iPad nutzen will:

  • Bloggen, insbesondere längere Texte mühelos zu schreiben.
  • Feeds, Blogs zu lesen und kommentieren.
  • Zeichnen und skizzieren. Geht bis jetzt ganz OK, richtig umhauen tut es mich noch nicht. Hab aber auch noch so gut wie keine Übung darin, auf dem Touchscreen zu zeichnen.
  • Im Alltag recherchieren. Mal eben was nachgucken auf Wikipedia & Co.
  • Planen und organisieren. E-Mail, Kalender, Trips und Reisen planen usw. Vielleicht auch Finanzen und co, mal sehen.
  • Vielleicht eine Auswahl von Fotos "verwalten", sofern das möglich ist.
  • Außer Haus und auf längeren Reisen das Gerät statt des Rechners nutzen.

Was das iPad bereits geschafft hat:

  • Es hat das Internet vom Arbeitszimmer ins Wohnzimmer und in die Küche gebracht. Es erfüllt voll und ganz den "Ersatz" eines zweiten Rechners im Haus. Auf einen Rechner zu verzichten ist zumindest zur Zeit nicht denkbar, da Fotoverwaltung, Design und Programmierung nur dort vernünftig gemacht werden können.
  • Es dient zur Zeit recht gut als Navi für's Auto, da wir noch kein richtiges haben. Was ich dabei nicht ganz verstehe, ist, dass das iPad immer unsere Position kennt, obwohl keine SIM-Karte drin ist.
  • Es macht das Erzählen über Orte und Ereignisse reichhaltiger. Durch die tollen Karten- und Fotos-App, und dadurch, dass das Ding auf dem Tisch flach liegt, kann man mit Freunden gemeinsam die Erzählungen mit Fotos und Karten ergänzen.
  • Es macht einfach Riesenspaß.

Apps, die ich bereits nutze:

  • Notes zum Schreiben ("Pages" schmiert ab und zu ab, tödlich)
  • NetNewsWire, um Feeds zu lesen
  • Dropbox, um Dokumente auf dem iPad mitzunehmen
  • Photogene, um Fotos nachzubearbeiten (für's Bloggen)
  • FTP on the Go, um Fotos auf's Blog hochzuladen
  • Penultimate, um Skizzen auf dem Touchscreen zu machen

Heute habe ich auch den vollständigen Prozess hingekriegt, wie ich auf dem iPad mit meinem Drupal-Blog Artikel schreiben kann, ohne ein anderes Gerät zur Hilfe zu nehmen. Mal sehen, ob sich das auf längere Sicht bewährt.

Fazit:

Zusammenfassend kann ich momentan sagen: Ja, es ist kein vollwertiger Rechner. Ja, es hat gaaaaanz viele Funktionen nicht, die ein PC hat. Und das ist verdammt gut so. Denn 95% der Aufgaben, für die ich einen Rechner brauche, lassen sich auf dem iPad einfacher und eleganter erledigen. Und ich bin nach wie vor recht überzeugt, dass es ein verdammt gutes Vehikel ins Netz ist.

Comments:

Konstantin am 2010-06-30

P.S.: Das Teaser-Bild ist natürlich auf dem iPad mal eben mit dem Finger hingeschmiert :-)


ben_ am 2010-06-30

Also, Dein Punkt "keine Dateiverwaltung" hast mit der Dropbox und dem FTP-Programm ja ein bisken ad absurdum geführt.

Ich erinnere mich auch noch daran, wie ich begeistert meinen ersten Blogartikel von meinem Ipod Touch geschrieben habe. Ich glaube es war auch der letzte. Jedes Eingabegerät für Text, dass keine Tastatur ist, treibt mir ja in den Wahnsinn.

Ansonsten kann ich all das auch von meinem neuen McBook 13" sagen, bis auf "es ist geräuschlos" (das trifft insbesondere dann nicht zu, wenn ich Team Fortress 2 oder Counterstrike zocken. ;] ) und "es dient zur Zeit recht gut als Navi für's Auto". Auto? Was war das nochmal für ein Gadget?


Konstantin am 2010-06-30

"Keine Datenverwaltung" - gar nicht so sehr ad absurdum, behaupte ich jetzt mal. Das FTP-Ding ist nur ein Workaround, weil ich die Bilder nicht per E-Mail an den Server verschicken kann (wie etwa Du beim Moblog). Am liebsten wäre mir aber ein Export sofort zum Blog. E-Mail würde es aber langfristig am besten tun.
Dropbox: Jawohlja, Dateien. Aaaber: ich verwalte sie nur an einem Ort, nämlich dem Rechner. Hier wäre mir allerdings auch am liebsten alles in Google Docs. Das ist allerdings noch nicht soweit, um auf dem iPad vernünftig zu funktionieren.

Um mal einen Vergleich zu einem MacBook zu machen (ich nehme jetzt mal an, dass @Ss vier Jahre altes MacBook sich nicht wesentlich von Deinem neuen MacBook Pro unterscheidet):
- Bei jedem Tischgespräch mit Freunden, bei dem ich das Ding hingeschleppt habe, hat es zu Gesprächsrückgang und verklemmter Situation geführt. Nicht so beim iPad (kommt aber vielleicht noch)
- Das Ding ist zu unhandlich, um auf dem Sofa oder am Küchentisch "mal eben" etwas nachzugucken. Es schien nicht so zu sein, aber die Jahre an Erfahrung zeigen ein eindeutiges Ergebnis
- Und noch ein für mich nicht ganz unwesentlicher Punkt: Das iPad kostet 600 Euro. Ein MacBook mind. 900.

Aber hier noch ein paar Punkte, die auch richtig nerven:

- Ohne die Möglichkeit der Blootooth-Tastatur würde mich das Ding in den Wahnsinn treiben. Was mir - im Gegensatz zu meinem früheren PowerBook oder dem MacBook deshalb fehlt ist: Weil die Tastatur und das iPad nicht verbunden sind, kann ich mit dem Gerät nicht auf dem Schoß schreiben. Mag sich unwichtig anhören, aber wer zich Stunden Zug gefahren ist, oder auch mal abends auf dem Sofa einen Blogartikel geschrieben, der weiß wovon ich rede.
- Außerdem werden die Arme lahm, wenn man das iPad aufrecht stehen hat und länger damit z.B. Fotos bearbeitet. Leute, die Maus mag zwar schon Jahrzehnte auf dem Buckel haben, aber für präzises Arbeiten ist sie immer noch ganz weit vorn. Bequem neben der Tastatur liegend, statt immer den Arm in der Luft haltend.


Konstantin am 2010-06-30

Achso, habe ich schon erwähnt, dass dies der bereits dritte auf dem iPad geschriebene Blogartikel war? :-) Das heißt nicht, dass ich nicht eventuell in einem halben Jahr doch sage: Leute, legt das iPad beiseite, nehmt Euch für's Bloggen nen Rechner.


Ingo am 2010-06-30

Ich habe auch eine Woche mit dem iPad rumgespielt und es dann ohne Reue wieder zurückgegeben.

Ja, es ist der ultimative digitale Bilderrahmen. Das macht wirklich Spaß. Und tatsächlich tun sich durch den großen Bildschirm für die Touch-Bedienung ganz neue Möglichkeiten auf. Toll sind z.B. Reeder (RSS-Feed-Reader) und iElectribe.

Obwohl ich eine Bluetooth-Tastatur habe, ist mir nicht mal der Gedanke gekommen, sie mit dem iPad zu pairen. Die Konstruktion ist ja irgendwie absurd, wenn man sowieso schon einen Laptop zur Hand hat.

Im Moment ist das iPad ein nettes Spielzeug und vielleicht eine Bereicherung, wenn man tatsächlich noch keinen Zweitrechner hat. So habe ich auch während meiner iPad-Woche hauptsächlich den Laptop fürs Internet und meinen Sony Reader zum Lesen benutzt. Ein iPad 4G mit 1GB RAM, Multitasking, 300dpi-Display und zwei Kameras: Da würde ich sofort am ersten Tag Schlange stehen.


Arne am 2010-06-30

Interessanter Artikel - was mich wieder daran erinnert dass ich meinen iPad-Artikel nochmal zu Ende schreiben muss. Wird aber nicht so positiv wie deiner ;)

Apptechnisch wollte ich noch dringendst empfehlen, von der Notes-App weg zu gehen - sei es wg. des miesen Fonts oder wg. des miesen Syncings.

Simplenote macht das alles tausendmal besser. Es gibt eine gute Webapp dazu, Dashboard-Widgets für den Mac um auf die Notizen zuzugreifen. Zusätzlich gibt es mit Notational Velocity eine tolle App für Mac OS. Mit der lassen sich die Notizen auch als TXT-Files in der eigenen Dropbox ablegen. Somit hat man alles immer jederzeit und überall durch die Cloud zur Hand. Bin ich schwer begeistert von (wie man vielleicht merkt ;)).

Für den Zugriff auf Google Docs und/oder Office-Dokumente in der Dropbox soll Documents to go sehr gut sein. Gibt es in der 8€ und 12€ Version. Frag mich nicht nach den genauen Unterschieden... Kann aber auf jeden Fall direkt Google Docs bearbeiten, speichern und zurücksyncen, also quasi das was man gerne auf'm iPad hätte.


Konstantin am 2010-06-30

Danke für die Tipps, Arne.


Tamim Swaid am 2010-07-01

Ich hol mir auch eins.
Nur zum spielen.


Konstantin am 2010-07-05

Tamim, mir gefällt Deine Einstellung. Keine Rechtfertigungen. Nur Vergnügen. Viel Spaß, erzähl, wie's ist.


tamimat am 2010-07-13

Ich bin enttäuscht. Das Gerät kann surfen. Aber das auch nicht sonderlich gut. Shoppen kann man damit nicht. Formulare sind damit ein Graus. Tippen geht, aber auch nicht super. Es erfüllt keine grundsätzliche Basisfunktion richtig gut. Die Produktkategorie "Pad" wird sich nur dann durchsetzten wenn die Websites dafür optimiert werden. Und die Masse ist dafür nicht da. Optimieren wird nur der können, der die Ressourcen dafür hat. Und das haben nicht viele die im Netz unterwegs sind.
Sonst hat ziemlich alles für iPad ein Preistag. Das ist nicht gut. Man kommt nicht zum Ausprobieren. Wie wärs mit 30 Tage Free oder auch nur 1 Tag Free. Dann kann man wenigstens ausprobieren ob es einem
gefällt. Und im Zug ist das Internet ein Schrecken. Das macht keine Spass. Das Ding ist nur schön wenn man WiFi hat. Wenn mich jemand fragt: Soll ich mir das kaufen. Wird meine Antwort sein: Nur wenn dir 600 Euro für ein grosses Spielzeug und mässiges Surftablet nicht zuviel sind. Word.


Konstantin am 2010-07-13

Danke für die Zusammenfassung. Meine kennst Du ja, aber an Deiner ist nichts auszusetzen. Wie Niels immer sagt: "Es hängt vom Kontext ab". Diesen Kommentar schreibe ich gerade am Rechner und genieße das Formularfeld, das ist auf dem iPad nicht so flüssig. Hab ich schon erwähnt, dass ich das meiste auf dem iPad mit externer Tastatur schreibe.
Und Apps. In der Tat, 1-Tag-Free wäre geil. Aber sonderlich stören tut es mich gerade nicht. 10 Apps. Dafür habe ich Geld in die Hand genommen. Mehr brauche ich nicht.

Aber Tamimmat, was ist mit spielen, wolltest Du nicht spielen? Schon ausprobiert?


tamimat am 2010-07-14

Ach so. Nein, nicht dieses spielen mit Games. Sondern vielmeh das Spielen mit dem Gerät an sich. Bin nicht so der Gamer.


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