Der A4
2010-07-13
Da war der A4 von Harald, dem ersten richtigen Designer, den ich kennen lernte. Ich war damals noch in der Schule, und er war mein Idol. Ein charmanter Rhetoriker. Seine Werke strahlten Einzigartigkeit und Souveränität aus. Harald führte mich in die Welt des Grafikdesigns ein. Sein Büro hatte er mitten im Nirgendwo, und so fuhr er weite Strecken zu seinen Kunden. Sein silberner A4 war seiner Ansicht nach der einzig geeignete Wagen. Ich hab ihn damals nicht gefahren, nur das strahlende Silber von außen angeschaut.

Da war der A4 meines Vaters. Nach dem ich aus dem Elternhaus auszog, bekam er den A4 als Firmenwagen. Ich erinnere mich an die ersten Fahrten damit. Der Wagen schien konzentriert, fokussiert auf den Weg nach vorn zu sein. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten strahlte er ein Gefühl der Sicherheit und Selbstverständlichkeit aus, so als ob die Autobahn sein natürliches Revier wäre. Die Autofahrt wurde zum Ritual des Dialogs, vor allem zwischen Vater und Sohn. Mehrere Stunden ohne Ablenkung über wichtige Fragen des Lebens sprechen, das ermöglichte der A4. Denn er war nicht nur sicher, er war unglaublich leise. Das Sprechen war mühelos, fast als säße man zu Hause in den Sesseln. Ich war dankbar für diesen abgeschiedenen Raum.

Da war eine Silvester-Nacht, in der ich plötzlich das dringende Verlangen verspürte, allein zu sein. Ich setzte mich in den A4 meines Vaters, um von Papenburg zum Norddeich zu rauschen. Auf den Autobahnen des Nordens war keine Menschenseele, das Land so flach, als ob die Erde eine Scheibe wäre, und eine unglaubliche Sternenpracht über mir. Leise glitt ich, scheinbar stehend, mit großer Geschwindigkeit, Nitin Sawhney im Hintergrund, und spürte mit einer Gänsehaut, wie das Land bald in das Meer übergehen würde. Ein befreiendes Gefühl. Das skurrile Feuerwerk der ostfriesischen Inseln, das so aussah, als wären es mit Girlanden verhangene Palmen auf Südseeinseln, begleitete mich im Gedächtnis auf dem Weg zurück. Ich war dort zur Ruhe gekommen, und diese Ruhe bewahrte auch der A4.

Da waren viele andere, große und kleine Erlebnisse, die ich mit diesem Wagen verbinde. Ohne diese Erlebnisse wäre der A4 von Audi ein schöner, schneller, sehr leiser Mittelklassewagen, der unglaublich gut auf der Straße liegt, dem man sich gut anvertrauen kann. Die Erlebnisse aber machten ihn zum Favoriten für das erste Auto, das ich besitze. Und ich kann mich nur glücklich schätzen, dass @S den Wagen auch auf Anhieb mochte. So wurde er zu unserem Konsandria A4.
Ah. Diese Momente in der Jugend! Als man plötzlich den unbändigen Drang hatte, weg zu müssen. Ans Meer zu müssen. Und dann einfach auch gefahren ist. An die erinnere ich mich auch noch gerne.
Verblüffend. Die sind irgendwie verschwunden diese Momente.