Der A4

 

Da war der A4 von Harald, dem ersten richtigen Designer, den ich kennen lernte. Ich war damals noch in der Schule, und er war mein Idol. Ein charmanter Rhetoriker. Seine Werke strahlten Einzigartigkeit und Souveränität aus. Harald führte mich in die Welt des Grafikdesigns ein. Sein Büro hatte er mitten im Nirgendwo, und so fuhr er weite Strecken zu seinen Kunden. Sein silberner A4 war seiner Ansicht nach der einzig geeignete Wagen. Ich hab ihn damals nicht gefahren, nur das strahlende Silber von außen angeschaut.

Alexander Weiß

Mein Vater. Geschichtenerzähler, Künstler, Innenarchitekt, Grafikdesigner, Objektdesigner, Bildhauer, Zeichner, Dozent, Genießer. In wechselnder Reihenfolge.

Da war der A4 meines Vaters. Nach dem ich aus dem Elternhaus auszog, bekam er den A4 als Firmenwagen. Ich erinnere mich an die ersten Fahrten damit. Der Wagen schien konzentriert, fokussiert auf den Weg nach vorn zu sein. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten strahlte er ein Gefühl der Sicherheit und Selbstverständlichkeit aus, so als ob die Autobahn sein natürliches Revier wäre. Die Autofahrt wurde zum Ritual des Dialogs, vor allem zwischen Vater und Sohn. Mehrere Stunden ohne Ablenkung über wichtige Fragen des Lebens sprechen, das ermöglichte der A4. Denn er war nicht nur sicher, er war unglaublich leise. Das Sprechen war mühelos, fast als säße man zu Hause in den Sesseln. Ich war dankbar für diesen abgeschiedenen Raum.

Da war eine Silvester-Nacht, in der ich plötzlich das dringende Verlangen verspürte, allein zu sein. Ich setzte mich in den A4 meines Vaters, um von Papenburg zum Norddeich zu rauschen. Auf den Autobahnen des Nordens war keine Menschenseele, das Land so flach, als ob die Erde eine Scheibe wäre, und eine unglaubliche Sternenpracht über mir. Leise glitt ich, scheinbar stehend, mit großer Geschwindigkeit, Nitin Sawhney im Hintergrund, und spürte mit einer Gänsehaut, wie das Land bald in das Meer übergehen würde. Ein befreiendes Gefühl. Das skurrile Feuerwerk der ostfriesischen Inseln, das so aussah, als wären es mit Girlanden verhangene Palmen auf Südseeinseln, begleitete mich im Gedächtnis auf dem Weg zurück. Ich war dort zur Ruhe gekommen, und diese Ruhe bewahrte auch der A4.

Da waren viele andere, große und kleine Erlebnisse, die ich mit diesem Wagen verbinde. Ohne diese Erlebnisse wäre der A4 von Audi ein schöner, schneller, sehr leiser Mittelklassewagen, der unglaublich gut auf der Straße liegt, dem man sich gut anvertrauen kann. Die Erlebnisse aber machten ihn zum Favoriten für das erste Auto, das ich besitze. Und ich kann mich nur glücklich schätzen, dass @S den Wagen auch auf Anhieb mochte. So wurde er zu unserem Konsandria A4.

Comments:

Ben am 2010-07-13

Ah. Diese Momente in der Jugend! Als man plötzlich den unbändigen Drang hatte, weg zu müssen. Ans Meer zu müssen. Und dann einfach auch gefahren ist. An die erinnere ich mich auch noch gerne.

Verblüffend. Die sind irgendwie verschwunden diese Momente.


Konstantin am 2010-07-13

"Die sind irgendwie verschwunden diese Momente."
Macht doch nix. Wenn man sich da an der richtigen Stelle fühlt, wo man gerade ist, braucht man keine Reise nach Panama.


Sebastian am 2010-07-13

Also das habe ich mir bisher erhalten können - Wenn ich spontan irgendwo hin möchte, dann mache ich das auch. Neuerdings müssen Frau und Kind halt mit. Allerdings sind die Momente, in denen ich den Drang dazu verspüre, in der Tat seltener geworden.

Aber um zu dem Artikel zurückzukommen - mir geht es da ähnlich. Einmal Audi, immer Audi. Das Auto an sich ist ein Erlebnis und viele prägende, persönliche Erlebnisse entstehen im Laufe der Jahre. Es gibt allerdings noch eine Steigerung zum A4. Ich hadere schon länger, noch kann mich die Vernunft bremsen. Der S4.


Konstantin am 2010-07-13

Sebastian, Du weißt, dass ich mich an Geschwindigkeiten nie so freudvoll berauschen konnte wie Du. Ich werde die Strecke von Hamburg nach Köln auch nie in - wie war das? - 2 3/4 Std. machen (hab ich Dich wirklich richtig verstanden?),


zagy am 2010-07-14

Grats Konstantin :)


Konstantin am 2010-07-14

Danke Zagy. Den Wagen haben wir ja schon ein paar Monate. Ich kam nur nicht dazu vorher darüber zu schreiben. Fühlt sich nach wie vor gut an.


tamimat am 2010-07-15

Audi ist gut. S4 ist geil.
BMW ist besser. M3 ist geiler.


Konstantin am 2010-07-16

BMW konnte ich bis heute nicht viel abgewinnen. Mein Vater hatte nach dem A4 auch einen 3er, und ich war sehr enttäuscht. Das Fahrgefühl war bei weitem nicht so gut. Vielleicht sind die neuen BMWs besser, aber das sind die neuen Audis sicherlich auch. Außerdem kann ich dieses Vorurteil in mir nicht totkriegen, dass mit BMWs rumgeprollt wird.


Tamim Swaid am 2010-07-18

Ich denke ist eine Charaktersache.

BMWs sind strenger und straffer. Das Handling ist großartig. Mehr Sportwagen als Limousine.

Für angenehmes Fahren steht am ehesten Mercedes. Für sportliches BMW. Audi ist irgendwo dazwischen, haben aber eine sehr gute Mischung hinbekommen. Sportlich und komfortabel.


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A4

Das Papierformat, mit dem ich am meisten in meinem Leben gearbeitet habe. Der Wagen, den ich sehr gerne fahre. Der Prozessor, der das iPad antreibt.

Audi A4

Ein Wagen, den ich sehr gern fahre, und nicht zufällig auch das erste Konsandria-Auto.

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