Couch Commerce
2010-11-11
Wenn der Shop zu Dir nach hause kommt, sich gemütlich zu Dir auf das Sofa setzt und in den ruhigen Abendstunden in Onlinepromenaden bummelst, dann ist das Couch Commerce.
Diesen wunderbaren Begriff hat neulich Lutz fallen lassen, als wir ein Thema für die neue Design for Conversion Konferenz suchten. Als ein neuer Trend im Alltag Couch Commerce ist das Shoppen auf dem Sofa, und ich kann ein Liedchen davon singen. Oder besser gesagt @S.
Unser iPad hat sich in ein wahres Konsumportal verwandelt.
- Ein Dreirad für unseren Sohn gesehen? Im iPad nachgucken.
- Ein neues Kinderbuch? auf Amazon im iPad
- Der Flug in den nächsten Urlaub? Kajak angeschmissen und bei einer Airline gebucht.
Ich kann die Liste locker weiterführen.
Und das iPad ist nur eines der ersten Geräte, auf denen das möglich ist. Ich schätze in den nächsten 1,2 Jahren werden andere Tablets und Netbooks auf den Markt kommen, die Couch Commerce blühen lassen werden.
Die neue Kauf-Experience
Was ändert sich also gegenüber dem, wie wir heute online einkaufen?
Der Ort
Bisher war das e-Commerce an den Desktop-Rechner oder an das Laptop gebunden. Beide sind eher Arbeitszimmer zu finden oder an Orten, wo man sie gut abstellen kann. Natürlich ist ein Laptop auch gut dafür, auf dem Schoß gehalten zu werden (lap (engl.) = Schoß). Aber so richtig lange wollen wir das Ding nicht auf uns haben, während wir auf dem Sofa lungern.
"Sofa" steckt in dem Begriff Couch Commerce schon drin. Das Wohnzimmer wird also von e-commerce erobert. Diese Bastion des Fernsehers, der entspannten, zurückgelehnten Haltung. Der Ort, an dem man sich am Feierabend etwas gönnt.
Es ist aber auch die Küche, in der man sich beim Abendbrot über organisatorische Dinge unterhält und dabei einem einfällt, was im Haushalt fehlt und was man in den nächsten Wochen besorgen muss. Das geschieht bei uns meist nach dem Essen, also auch wenn man satt und entspannt ist, wo ich gern die Füße auf einen anderen Stuhl stelle.
Die Sinneseindrücke
Es ist ein anderes Gefühl, mit dem wir einkaufen. Der Stoff oder Leder umgibt uns auf der Couch, es ist weich und gemütlich. Sitzkissen schmiegen sich an. In unserer Küche ist es Holz und Rattan und Stoff. Es riecht nach frischgemachter heißer Suppe oder dem Schinken auf dem Butterbrot. Vielleicht haben wir Teegeschmack auf unserer Zunge. Oder Süßigkeiten?
Die körperliche Haltung
Ihr habt es sicher in den letzten Abschnitten schon gemerkt: Die körperliche Haltung verändert sich. Man shoppt nicht mehr nach vorn gebeugt, vor einem Schreibtisch sitzend. Man kauft zurückgelehnt ein.
Die geistige Haltung
Auch die geistige Haltung ändert sich, und das finde ich bemerkenswert. Die zurückgelehnte Haltung, die legere Atmosphäre, die Feierabendstimmung ändern auch das Verhältnis zum Konsum. Sich etwas gönnen, sich nicht mehr so stark kontrollieren müssen - so kaufen wir bestimmt anders und mehr ein.
Abbau von Barrieren
Insgesamt baut Couch Commerce wieder ein paar Barrieren zwischen uns und dem Konsum ab, dieser sofortigen Erfüllung unserer Wünsche im Tausch gegen Bares. Das kann man kritisch oder auch als Chance sehen, je nach Kunsumdrang und Selbstdisziplin.
User Experience Designer, ran an die Arbeit!
Für UX-Designer eröffnet sich ein neuer Kontext, in dem die Kauferfahrung gestaltet werden will und muss. Mit allen Konsequenzen: wir übernehmen auch ein Teil der Verantwortung dafür, wie und wofür Menschen Geld in dieser für Konsumenten eher schutzlosen Situation ausgeben.
Wer weiß, vielleicht wird Couch Commerce tatsächlich das Thema für die nächste Design for Conversion.
Ha! Verhängnisvoll - dieses Ipad! Habe vor einigen Tagen eine Menge Klamotten aus dem Netz bestellt (sogar das Bestelllimit gesprengt ;) - wieso? ganz einfach: Zeit sparen. Unter den zig Pullis wird sich schon ein wintertauglicher finden, der gefällt, Rest zurück. Das Packet wieder abzugeben ist schneller, als im Laden anzuprobieren. Ich wäre also auch ein willkommenes Couch-Commerce-Opfer (tolles Wort übrigens!)